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Die Ernst-Troeltsch-Gesellschaft trauert um Dr. Hartmut Ruddies

By 20. Juli 2020Allgemein

Wenn wir heute mit großer Selbstverständlichkeit zu den Bänden der Kritischen Gesamtausgabe greifen, um Troeltschs Texte zu lesen, sind die Anfänge dieses editorischen Großprojekts fast schon vergessen. Sie liegen nicht zuletzt in dem Bemühen, überhaupt ein vollständiges Verzeichnis der Schriften Troeltschs zu erstellen. In den 1970er und 1980er Jahren, also vor aller Digitalisierung, bedeutete dies lange Aufenthalte in den Karteiraümen und Lesesälen von Bibliotheken. Hartmut Ruddies hat mit seinem Freund Friedrich Wilhelm Graf diese analogen Mühen auf sich genommen. Ihre „Ernst Troeltsch Bibliographie“, bis heute unentbehrliches Werkzeug für jede eingehendere Beschäftigung mit Troeltsch, erschien 1982. Hartmut Ruddies gehörte seit den frühen Tagen zu den Mitgliedern der Ernst-Troeltsch-Gesellschaft und war lange Jahre als Schatzmeister in ihrem Vorstand tätig. Seine historisch-systematischen Beiträge zur Troeltsch sind von historischer Gelehrsamkeit und systematischem Scharfsinn geprägt. Die zeit- und geistesgeschichtlichen Kontextualisierungen waren für Ruddies der Weg, Troeltsch als Zentralgestalt liberaler Theologie zu begreifen und in seiner Originalität darzustellen. Zugleich stellte er Troeltsch damit in den Zusammenhang der Theologie- und Geistesgeschichte, so dass er Kontinuitäten und übergreifende Problemstellungen identifizieren konnte, wo andere vor allem positionelle Differenzen sahen. Vorgetragen wurde dies von ihm mit einem intellektuellen Esprit, mit dem er als akademischer Lehrer, Redner und Diskutant herausragte. Am 3. Juli 2020 ist Hartmut Ruddiesim Alter von 73 Jahren in Halle verstorben. Der Vorstand der Ernst-Troeltsch-Gesellschaft gedenkt seiner in großem Respekt und Dankbarkeit.